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SZ, 30.7.2015

Ankunft im Stetzscher Asylheim

Gestern früh gab es an der neuen Unterkunft wieder einen Anschlag mit einer Chemikalie. Jetzt wohnen 30 Flüchtlinge im früheren Hotel Lindenhof.

Von Tobias Wolf

Mit einem Bus kamen die jungen Asylbewerber gestern an ihrer neuen Unterkunft in der Stetzscher Podemusstraße an. Zuvor hatte die Polizei noch Spuren eines Anschlags gesichert.
Mit einem Bus kamen die jungen Asylbewerber gestern an ihrer neuen Unterkunft in der Stetzscher Podemusstraße an. Zuvor hatte die Polizei noch Spuren eines Anschlags gesichert.

© Tobias Wolf

Eiligen Schrittes gehen die 30 jungen Flüchtlinge gestern Nachmittag in ihre neue Unterkunft in der Podemusstraße in Stetzsch. Mitarbeiter der Stadt und Sicherheitsleute versuchen sie abzuschirmen, während die Männer ihre Habe hineintragen und ihre Zimmer beziehen.

Nachbarin Petra Wahl hat für die Neuankömmlinge ein großes Blech Kokoskuchen gebacken. Berührungsängste hat sie nicht. Sie hat für die Männer auch Kartons mit Tee organisiert. „Damit die Jungs ihr spärliches Taschengeld nicht komplett für teure Lebensmittel in der Tankstelle ausgeben müssen“, sagt sie. Sie wolle den Flüchtlingen auch lebenspraktische Hilfe geben. Damit sie beispielsweise selber kochen können. Claus Berger von der Initiative „Willkommen in Cotta“ will künftig auch das Heim in Stetzsch im Auge behalten. Tumultartige Szenen wie beim Tag der offenen Tür sollen sich nicht wiederholen.

Doch es gibt auch Skepsis. Anwohner Andreas Walther sieht der Eröffnung des Heims mit gemischten Gefühlen entgegen. Familien wären ihm in der Nachbarschaft lieber, sagt er. „Bis zu 40 Männer aus verschiedenen Nationen sollen darin wohnen. Da sind Konflikte programmiert“, sagt der 57-Jährige. Er wünscht sich, dass die Flüchtlinge eine Beschäftigung bekommen, um „nicht auf dumme Gedanken zu kommen“. Anna aus dem Nachbarhaus, die ihren Nachnamen nicht nennen will, mache sich als Single-Frau schon Gedanken, wenn nebenan nur Männer wohnen würden. „Ich lasse mich überraschen.“ Sie habe bereits Geschichten von Freunden gehört, die bei Sicherheitsdiensten arbeiten.

Bislang jedoch ging die Gewalt dort nicht von den neuen Bewohnern aus. Nach drei Anschlägen in nur vier Tagen sollen nach SZ-Informationen nun immer zwei Securityleute im Heim anwesend sein – rund um die Uhr. Als die neuen Bewohner ankamen, war die Kripo grade wieder weg.

Am Mittwochmorgen wurde der letzte Anschlag bekannt. Die Täter warfen ein Gefäß mit einer Flüssigkeit durch das gekippte Fenster eines Zimmers. „Es handelt sich um eine stechend-riechende Flüssigkeit“, sagt Polizeisprecher Thomas Geithner. „Unser Verdacht ist Buttersäure.“ Das Operative Abwehrzentrum habe die Ermittlungen übernommen. Schon am Sonnabend hatten Unbekannte am Tag der offenen Tür Buttersäure verspritzt und einen ekelerregenden Gestank verursacht. Am Sonntag gegen 18.30 Uhr warfen Asylgegner sechs Fensterscheiben auf der Rückseite des ehemaligen Hotels ein. Die Polizei sucht Zeugen, die Verdächtige beobachtet haben oder Angaben zu den Anschlägen machen können. Hinweise an 4832233.

Eine Initiative für die Unterstützung des Flüchtlingsheims Podemus9 in Dresden-Stetzsch